Hinteres Kreuzband
Ein hinterer Kreuzbandriss entsteht aufgrund des Überschreitens der maximalen Dehnungsmöglichkeit des hinteren Kreuzbandes, in der Regel durch äußere Gewalteinwirkung. Durch diese Bandverletzung entsteht eine sagittale (= parallel zur Mittelachse auftretende) Instabilität und das so genannte hintere Schubladenphänomen (=große Verschiebbarkeit des Unterschenkels gegen den Oberschenkel) lässt sich auslösen.
Von einem hinteren Kreuzbandriss ist in den meisten Fällen nicht nur das hintere Kreuzband betroffen. Die Verletzungen sind meist weitaus komplexer und betreffen in der Regel das gesamte Kniegelenk in teilweise enorm beeinträchtigender Weise. Häufig sind für hintere Kreuzbandrisse Unfälle, nicht selten auch Autounfälle verantwortlich. So ist der typische Mechanismus für einen Riss des hinteren Kreuzbandes die "dashboard-injury", also das Anprallen des Unterschenkels an das Armaturenbrett des PKWs, z.B. im Rahmen eines Verkehrsunfalls.
Stand: Juli 2010
Symptome
Wenn das hintere Kreuzband gerissen ist, führt dies meist zu einer deutlichen Schwellung des Kniegelenks und in Folge zu Schmerzhaftigkeit wegen der Kapseldehnung des Gelenkes. Zumeist besteht ein blutiger Gelenkerguss, der auch sehr schnell die Beweglichkeit des Knies einschränkt.
Nicht immer werden hintere Kreuzbandrisse im Akutfall diagnostiziert. Häufig kommt man erst später aufgrund einer bemerkten Instabilität des Kniegelenkes zur Diagnosestellung. Dabei können sich dann verschleißbedingt Veränderungen von Knorpel und dem Meniskus ausbilden.
Stand: Juli 2010
Diagnostik
Bei einem Riss des hinteren Bandes können bei der Untersuchung mehrere Zeichen festgestellt werden, unter anderem kommt es zum sogenannten hinteren Schubladenphänomen: Bei gebeugtem Knie kann der Unterschenkel von vorne nach hinten geschoben werden.
Die initiale Diagnose wird mittels Schubladen- und Lachman-Test (seltener Pivot-shift-Test) gestellt und kann mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie bestätigt werden. Mit gehaltenen Röntgenaufnahmen in speziellen Apparaten kann das Ausmaß der Instabilität objektiviert werden.
Die Instabilität, die durch einen Kreuzbandriss entsteht, sorgt für eine Überbelastung von Knorpel, Innen- und Außenmeniskus. Wird die Instabilität nicht durch die Muskulatur kompensiert oder durch eine Operation beseitigt, dann kommt es häufig zu einem Meniskusriss und/oder Knorpelschädigung mit Arthrose.
Stand: Juli 2010Â
Behandlung
Nicht jedes gerissene hintere Kreuzband muss operiert werden. Gleich nach der Verletzung erkannte Risse des hinteren Kreuzbandes können in Spezialschienen behandelt werden. Es bestehen weiterhin individuelle Unterschiede und Abhängigkeiten von Alter, Sportfähigkeit und Zusatzerkrankungen des Patienten. Absolute Operationsindikation ist die Instabilität. Diese führt ohne Stabilisationsoperation zu Meniskusschäden und letztendlich zu einer Arthrose des Gelenkes. Hier sind vorwiegend sportlich aktive Menschen betroffen in den jüngeren Altersstufen. Besteht ferner für die Betroffenen eine berufliche Einschränkung (z.B. Handwerksberufe), so ist auch hier die Operation notwendig.
Besteht die Indikation zur operativen Versorgung wird das Kreuzband durch eine körpereigene Sehne ersetzt (Kunstband hat sich nicht bewährt). Als Ersatzsehne verwenden wir entweder das mittlere Drittel der Kniescheibensehne (Patellarsehne) oder eine Kniebeugersehne (Semitendinosus-, Gracilissehne) in seltenen Fällen die Kniestreckersehne (Quadrizepssehne). Die Wahl der Ersatzsehne wird bestimmt durch Faktoren wie Zusatzverletzungen bzw. Vorschäden, Grad der Instabilität, Aktivitätsniveau, Patientenalter, berufliche Exposition.
Entscheidend für den Erfolg der Operation ist die genaue Platzierung der Bohrkanäle an den Ansatzpunkten des ursprünglichen Kreuzbandes, was mit Hilfe spezieller Zielgeräte umgesetzt wird. Zur Sehnenfixation verwenden wir Titanschrauben und selbstauflösende Schrauben.
Stand: Juli 2010
Nachbehandlung
Nach der Operation muss das operierte Kniegelenk in einer speziellen Schiene gelagert werden. Diese Schiene schützt die hintere Kreuzbandplastik vor Zugbelastung, indem der Unterschenkel durch die Schiene gegenüber dem Oberschenkel stabilisiert wird und so eine hintere Schublade verhindert wird. Diese Schiene muss für 6 Wochen Tag und Nacht und für weitere 6 Wochen nur nachts getragen werden. An dem 2. Tag nach der Operation wird mit der krankengymnastischen Übungstherapie begonnen. Hier werden geführte vorsichtige Bewegungen aus der Schiene heraus unter strenger Vermeidung der hinteren Schublade durchgeführt. Nach der Operation muss man für 6 Wochen an Unterarmgehstützen teil belasten.
Stand: Juli 2010

