Knorpelschäden
Knorpelschäden können prinzipiell in jedem Alter auftreten und unterschiedliche Ursachen haben. Im Jugendlichen Alter treten Knorpelschäden nach Unfällen auf wie z.B. als Begleitverletzung bei Kreuzbandriss oder Kniescheibenluxation. Es gibt jedoch auch ein lokales Absterben und Ablösen von Knorpel ohne erkennbare Ursache (Osteochondrosis dissecans, hauptsächlich Sprunggelenk, Knie und Ellenbogen).
Mit zunehmendem Alter kommt vor allem die Abnutzung zum Tragen, welche als Arthose in unterschiedliche Stadien eingeteilt wird. Verstärkte Abnutzung kann nach Knochenbrüchen im Gelenk, bei Instabilität (alter Kreuzbandriss) oder bei Fehlstellungen ( O-Beine) auftreten.
Da sich Knorpelzellen beim Erwachsenen nicht mehr von selbst erneuern und Knorpelschäden weit verbreitet sind, wird auf diesem Gebiet heute sehr viel Forschung betrieben und neue Behandlungsmethoden entwickelt.
Anatomie: Der Knorpeltyp, welcher in den großen Gelenken vorkommt wird als hyaliner Knorpel bezeichnet und hat einen hohen Gehalt an Wasser. Der gesunde Knorpel hat vor allem eine Pufferfunktion zwischen zwei aufeinander liegenden Gelenkanteilen. Daher ist die Knorpelschicht an Stellen großer Belastung dicker. Der Knorpel selbst ist nicht durchblutet, sondern wird über die umgebende Gelenkflüssigkeit ernährt.
Stand: Juli 2010
Symptome
Die Symptome sind je nach Art der vorliegenden Knorpelschädigung unterschiedlich.
Der Knorpel selbst besitzt keine Schmerzfasern, die Schmerzen entstehen durch die Mitreaktion angrenzender Gewebe.
Liegt ein lokales Zugrundegehen von Knorpel ohne erkennbare Ursache vor, wird dies entweder durch Zufall entdeckt oder macht unspezifische Schmerzen und Schwellung wie z.B. Schmerzen und Anschwellen beim Belasten im Sprunggelenk über längere Zeit ohne Unfallereignis.
Löst sich ein Knorpelstück vollständig ab, kann es sogar zu einer Gelenkblockade mit akuten starken Schmerzen und Bewegungseinschränkung kommen.
Chronische Knorpelschäden, welche über längere Zeit durch Abnutzung entstehen, machen im Anfangsstadium Schmerzen bei Belastung sowie gelegentlich Schwellneigung. Schreitet der Knorpelschaden fort, verstärken sich die Schmerzen, insbesondere auch nachts und in Ruhe. Typischerweise lassen die Schmerzen nach einer Warmlaufphase zunächst nach und nehmen dann nach einer gewissen Belastung wieder zu. Zudem treten oft Gelenkergüsse auf, insbesondere im Kniegelenk. Im Endstadium hilft sich der Körper selbst indem er durch Knochenanbauten am Gelenk die schmerzhafte Beweglichkeit einschränkt.
Stand: Juli 2010
Diagnostik
Knorpel kann prinzipiell im Röntgenbild direkt nicht dargestellt werden. Die Knorpelsituation oder der Arthrosegrad kann jedoch anhand verschiedener Zeichen indirekt beurteilt werden.
Direkt dargestellt werden kann der Knorpel mit der Kernspintomographie.
Hier können auch schon Schäden nachgewiesen werden, wenn im Röntgenbild nichts Auffälliges zu sehen ist.
Eine direkte und damit zuverlässigste Beurteilung des Knorpels kann mit einer Gelenkspiegelung erfolgen. Allerdings wird eine Spiegelung nie zur reinen Diagnostik durchgeführt, sondern direkt je nach erhobenem Befund die nötigen operativen Maßnahmen durchgeführt.
Stand: Juli 2010
Behandlung
Je nach Alter des betroffenen Patienten sowie nach Entstehungsursache gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden. Die Therapie richtet sich dabei auch nach Lokalisation, Schweregrad und Größe des betroffenen Areals und den daraus resultierenden Beschwerden. Einbezogen werden auch der Aktivitätsgrad, Alter und sportlicher Anspruch der Patienten.
An operativen Möglichkeiten gibt es je nach individuellem Fall u.a.:
Knorpelglättung: Im Rahmen einer Kniearthroskopie wird die Knorpeloberfläche von stärkeren Rauhigkeiten befereit.
Microfracturierung (Chondropick): Bei oberflächlichen begrenzten Knorpelschäden kann mittels einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die unter dem defekten Knorpel liegende Knochenlamelle mit speziellen Instrumenten durchbrochen werden. Dies führt zum Austritt von Blut, das wiederum Stammzellen mit in den Defektbereich einbringt. Diese Stammzellen füllen den defekten Bereich allmählich mit Narbengewebe auf. Dieses Narbengewebe unterscheidet sich in den biomechanischen Eigenschaften vom normalen hyalinen Gelenkknorpel; es ist weicher und weniger stoßfest. Indikation:
Bei oberflächlichen, bis zu 2cm² großen Knorpelschäden, in weniger belasteteten Gelenkzonen und insbesondere bei Jugendlichen (hohe Selbstregenerationsfähigkeit) kann diese Therapie eingesetzt werden. Die Mikrofrakturierung wird vorwiegend am Knie- und Sprunggelenk durchgeführt.
Mosaikplastik (Knorpel-Knochen-Transplantation, OCT): Bei diesem Verfahren werden ein oder mehrere Knorpel-Knochen-Zylinder aus einem wenig belasteten Areal des Gelenks entnommen und in die Knorpeldefektzone passgenau eingesetzt. Dadurch wird ein Großteil des Defektbereiches mit hochwertigem, hyalinem Knorpel aufgefüllt. Die Ergebnisse sind bei diesem Verfahren gut, die Entnahmestellen der Knorpelzylinder werden jedoch nur mit minderwertigem Narbengewebe aufgefüllt, hier können unter Umständen Beschwerden an der Entnahmestelle auftreten. Um diese Beschwerden möglichst gering zu halten, sollte dieses Verfahren nur bei einem max. Knorpeldefekt von 3 cm² eingesetzt werden. Anzumerken ist hier noch, dass dieser Eingriff je nach Lokalisation des Knorpeldefektes ggf. auch über einen Hautschnitt mit Eröffnung des Gelenks ausgeführt wird. Die Mosaikplastik kann sowohl am Knie- als auch am Sprunggelenk eingesetzt werden.
AMIC® (autologe matrixinduzierte Chondrogenese): ist ein biologisches Verfahren zur Behandlung von Knorpeldefekten. Dieses neuartige Verfahren greift auf die Selbstheilungskräfte des Körpers und die Regenerationsfähigkeit der mesenchymalen Stammzellen zurück. Es eignet sich für Knorpeldefekte größer 2 cm², die bis auf den Knochen reichen. Degeneratives und abgeschertes Knorpelgewebe wird arthroskopisch vollständig abgetragen. Der Zugang zum Knorpeldefekt erfolgt über einen minimalinvasiven Hautschnitt. Der geschädigte, freiliegende Knochenbereich wird mit einem scharfen Instrument an zahlreichen Stellen perforiert (siehe Mikrofrakturierung). Der Defekt wird anschließend mit der Chondro-Gide®-Matrix gedeckt (mittels Naht oder Kleber). Bestandteile des Knochenmarks, u. a. Stammzellen und Wachstumsfaktoren, werden durch die Perforationen in den Defekt freigesetzt und bilden letztendlich ein Knorpelersatzgewebe. Die Chondro-Gide® Schicht stabilisiert und schützt diese, und bietet somit eine ideale Umgebung für das heranwachsende neue knorpelartige Gewebe. Einsatzgebiete sind in erster Linie Knorpeldefekte am Kniegelenk. Text und Bilder Copyright Geistlich Pharma AG
ACT ( Knorpelzelltransplantation): Bei großflächigen traumatischen Knorpeldefekten oder Ostechondrosis dissecans kommt die matrixgekoppelte ACT in Frage.
In einem ambulanten Eingriff erfolgt zunächst die Entnahme eines Knorpelzyliners aus einem nicht belasteten Areal des Kniegelenks. Anschließend erfolgt imLabor die Isolation der Knorpelzellen und die Anzüchtung in der Zellkultur. Die angezüchteten Knorpelzellen werden in eine spezielle dreidimensionale kollagene Matrix eingesät, die der ursprünglichen biologischen Zellumgebung im Knorpel weitgehend entspricht.
3 Wochen nach der Entnahme kann dann das spezielle Trägermedium (Matrix) über einen kleinen Hautschnitt mit Eröffnung des Kniegelenks in den Knorpeldefekt eingenäht werden, d.h. bei diesem Verfahren sind zwei Operationen im Abstand von drei Wochen erforderlich.
Patienteninformation NOVOCART 3D (1MB)
Patienteninformationsbroschüre "Knorpel biologisch heilen" (1MB)
Liegen Fehlstellungen vor die eine Arthroseentstehung begünstigen, sollten diese zunächst oder auch gleichzeitig korrigiert werden (Korrektur von O-Beinen).
Auch Instabilitäten (Kreuzbandruptur) müssen behandelt werden.
Bei fortgeschrittenen Arthrosen wird zunächst versucht, die Beschwerden konservativ mit Physiotherapie, Medikamenten oder auch direkter Einspritzung von Cortison oder Hyaluronsäurepräparaten ("Schmiermittel") zu lindern.
Führt dies nicht zum Erfolg, kann durch eine Arthroskopie in manchen Fällen für einige Zeit eine Besserung erzielt werden. Im Endstadium einer Arthrose hilft jedoch nur noch ein künstliches Gelenk.
Stand: Juli 2010
Nachbehandlung
Wird bei der Operation versucht den Knorpel zu erhalten, oder wurden Knorpelzellen oder Zylinder implantiert, darf diese Stelle zunächst keine Belastung erfahren. D.h. nach der Operation muss das betroffene Bein für 6 Wochen an Gehstützen entlastet werden. Dabei ist in den meisten Fällen eine freie Beweglichkeit erlaubt. Nur bei Schäden hinter der Kniescheibe wird nach der Operation für 6 Wochen die Beugung limitiert.
Mit Bewegungsübungen wird schon am 2. Tag nach der Operation begonnen.
Sie bekommen bei uns ein speziell in unserer Klinik entwickeltes und ständig angepasstes Nachbehandlungsschema als Information an den weiterbehandelnden Physiotherapeuten mit nach Hause. Wird bei fortgeschrittenen Schäden eine Arthroskopie mit Knorpelglättung durchgeführt reicht im Allgemeinen eine Entlastung an Krücken für 1 Woche aus.
Stand: Juli 2010

