Schulterinstabilität

Oberbegriff dafür, den Oberarmkopf nicht zentriert in der Schultergelenkspfanne halten zu können. Unterschieden werden u.a. folgende Formen:

  • Laxizität: natürlich gesteigertes Gelenksspiel, ohne Krankheitswert
  • Hyperlaxizität: über das natürliche Mass gesteigertes Gelenksspiel
  • Subluxation: es kommt beinahe zum Auskugeln der Schulter
  • Luxation: ein kompletter Kontaktverlust zwischen Oberarmkopf und Schultergelenkspfanne

Spezifische Fakten zur Vertiefung:

Das Schultergelenk besitzt eine im Verhältnis zum Gelenkkopf kleine Gelenkpfanne. Durch die nur schwach ausgeprägte knöcherne Führung ist die Schulter stark auf eine Stabilisierung durch den bestehenden Muskel-Sehnenapparat angewiesen. Ist diese Stabilisierung anlagebedingt nicht gegeben oder wird sie durch einen Unfall überwunden, kommt es zu einer Auskugelung des Oberarmkopfes. Dies kann z.B. bei einer unerwarteten Bewegung über Kopf passieren (z.B. Sportunfall). Zumeist rutscht der Oberarmkopf nach vorne unten aus der Pfanne heraus. Einige Patienten renken ihren Oberarmkopf selber ein, bei anderen ist dies aufgrund der starken Schmerzen und der entsprechenden Verspannung, nur unter Medikamentengabe durch einen Arzt möglich. Bei diesem Aus- und Einkugeln entstehen jedoch oft Verletzungen, die für weitere Auskugelungen der Schulter prädisponieren. Nach einer unfallbedingten Luxation (Auskugelung) besteht daher eine hohe Rate an nochmaligen Luxationen, die für den Patienten schmerzhaft sind und Strukturen im Schultergelenk weiter verletzen können. Das höchste Risiko für eine erneute Schulterluxation haben junge Patienten (<25 Jahre), die sportlich aktiv sind. Die Rate liegt dabei vermutlich zwischen 70 und 96%.

Stand: Juli 2010

Symptome

Im Falle einer akuten Schulterluxation sind die Symptome eine Einschränkung der Beweglichkeit im Schultergelenk, Spontan- und Bewegungsschmerzen und eine veränderte Schulterform. Von außen getastet ist die Schultergelenkspfanne leer und der Oberarmkopf ist in den Schulterweichteilen zu tasten.
Oft kommt es bei der Luxation zur Schädigung von in der Achsel verlaufenden Gefäßen oder Nerven (5-14%) und damit zu Störungen der Durchblutung, Bewegung und des Gefühls im Arm.

Stand: Juli 2010

Diagnostik

Im Falle einer frischen Luxation ist eine Röntgenuntersuchung erforderlich, um die Art der Luxation, sowie knöcherne Begleitverletzungen festzustellen.
Die durch eine Luxation im Schultergelenk entstandenen Weichteilschäden v.a. an der Gelenkkapsel und der Gelenklippe (=Labrum) werden im Rahmen einer Kerspintomographie diagnostiziert.
Insbesondere muss auch eine begleitende Verletzung der sogenannten Rotatorenmanschette ausgeschlossen werden.

Stand: Juli 2010

Behandlung

Nach radiologischer Diagnostik muss die akute Schulterluxation unverzüglich wieder eingerenkt werden (=Reposition). Hierzu existieren verschiedene Techniken, z.B. die Reposition nach Hippokrates oder nach Arlt. Wie bereits erwähnt sind Knochen- und Weichteilverletzungen der Schulter nach Luxation sehr häufig. Dies können exemplarisch sein:

  • Kapselerweiterungen und Riss der vorderen Gelenklippe (79%)
  • Hill-Sachs Delle am Oberarmkopf (68%)
  • Schwäche der Bänder des Oberarmkopfes (55%)
  • Riss der Rotatorenmanschette (14%)
  • Verletzung der hinteren Gelenklippe (Hintere Labrumläsion) (12%)
  • Riss der oberen Gelenklippe (SLAP-Läsion) (7%)
  • Nervenverletzungen (bis 15%)

Diese Folgeverletzungen erfordern häufig eine operative Therapie. Meistens sind hierzu arthroskopische Verfahren einsetzbar.  

  • Kapsel-Labrum Refixation / Kapselraffung: Das durch die Verletzung abgescherte Labrum (Gelenklippe) wird arthroskopisch zusammen mit der Kapsel gefasst und mit Hilfe von resorbierbaren oder metallenen Fadenankern an der knöchernen Gelenkpfanne fixiert. 

Falls eine zu starke Schädigung der Schulterstrukturen erfolgte, kommen auch  offene Operationsverfahren zur Anwendung. Diese sind jedoch nur im Einzelfall erforderlich.

Stand: Juli 2010

Nachbehandlung

Nach Reposition ohne Operation sollte für die erste Zeit eine Ruhigstellung im Verband erfolgen. Dieser Verband stabilisiert den verletzten Arm vor dem Oberkörper. Die Rehabilitiationsphase beinhaltet aktiv-assistierte Krankengymnastik mit limitierten Bewegungsausmaßen, Nach 7 bis 8 Wochen ist in der Regel eine schmerzlimitierte volle Bewegung in der Schulter erlaubt.
Nach arthroskopischer Operation umfasst unserer Nachbehandlungsregime im Moment:

  • Etwa 4 Wochen Ruhigstellung im sog. Gilchristverband
  • Keine Abduktion (Seitheben) und Anteversion (Nach-Vorne-Heben) über 90° für 6 Wochen
  • Ab dem 1. post-operativen Tag Krankengymnastik mit o.g. Einschränkung
  • Aufnahme sportlichen Trainings erst ab 3-6 Monaten

Stand: Juli 2010

News

16. Mai 2012 Patienteninformationsreihe

Bandscheibenvorfall - muss man operieren?

Kongress "Das Patellofemoral Gelenk"

Wir möchten Sie über den Kongress am 15./16.6.2012 informieren

MRT Kurse 2012

Wir möchten Sie schon jetzt auf die neuen MRT-Kurstermine im Jahr 2012 hinweisen.



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