Motorboot statt träger Tanker

„Die Verwaltung will geringe Kosten, die Ärzte wollen eine gute Medizin, das Pflegepersonal will sich kompetent um die Patienten kümmern – diesen Cocktail muss man mixen“, weiß Stephanie Koch.
Die Diplom-Betriebswirtin ist verantwortlich für das Qualitätsmanagement und die Organisationsentwicklung an der Sportklinik Stuttgart. Somit ist sie Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, zu verbessern, was noch nicht optimal ist. Zum Beispiel dort für einen Tisch zu sorgen, wo die Patienten die Anamnesebögen unterschreiben. Oder sich um eine Patientin zu kümmern, die wegen Allergien auf die Unterbringung im Einbettzimmer angewiesen ist. „Wir können uns wie ein Motorboot bewegen, nicht wie ein träger Tanker“, drückt Koch bildhaft aus, was ein großer Vorteil der eher kleinen Sportklinik ist.

In dieser Klinik der kurzen Wege kann sich jeder Mitarbeiter aktiv einbringen. So werden die Prioritäten auch für die Patienten sinnvoll gesetzt: „Wir haben keine Fünf Sterne-Zimmer, dafür bieten wir eine qualitativ hochwertige Medizin“, erklärt Koch.

Die Ärzte der Fachklinik verfügen über viel Erfahrung – unabdingbar für gute Behandlungsergebnisse. „Wir führen sehr viele Revisionseingriffe durch an Patienten, die woanders voroperiert wurden“, sagt der Leitende Arzt Ulrich Becker. Deren Anzahl habe zugenommen.

Vergleichen und ausführliche Informationen einzuholen sollte also nicht nur beim Kauf eines neuen Fernsehers gelten, sondern um so mehr, wenn es um die eigene Gesundheit geht. „Einen Allround-Chirurgen gibt es nicht“, weiß Becker.

Mit der zunehmenden Spezialisierung können heute nicht nur neue Krankheitsbilder benannt werden – sie können auch besser und schonender behandelt werden. Das gilt für Patienten aller Altersgruppen. „Im Frühjahr habe ich eine 78-jährige Skifahrerin am Kreuzband operiert“, erzählt Becker. „Nach gängiger Lehrmeinung war das verrückt, aber ich bin überzeugt davon, dass diese Frau im Winter wieder auf den Skiern steht. Und sie war glücklich.“

Patienten aus ganz Deutschland lassen sich in der Sportklinik behandeln. „Normale“ Menschen ebenso wie Profisportler. Auch „der VfB geht bei uns regelmäßig ein und aus“, sagt Koch. Kein Wunder, ist der Mannschaftsarzt Raymond Best ja auch Oberarzt an der Sportklinik.

Fast alle Mitarbeiter sind selbst sportlich aktiv. „Es ist gut für die Patienten, wenn sie merken, ihr Arzt kennt sich mit dem Laufen aus“, weiß Becker, der selbst in seiner Freizeit gerne durch den Höhenpark joggt. Bestätigt sich ihm nicht jeden Tag aufs Neue, dass Sport eben doch nicht so gesund ist? Das verneint er nachdrücklich. „Wenn man beim Laufen keine Schmerzen hat, gibt es keine Gründe, es nicht zu tun“, sagt Becker. „Und wenn man Schmerzen hat, dann sucht man sich eben eine andere Sportart.“